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Corni will seinen eigenen Weg gehen

 
Inhaltsangabe:
Erzählung zum Erntedankfest von einem Korn, das nicht in die Mühle gebracht werden will und dabei in große Gefahr gerät
Erarbeitet von: © Jürgen Grote - Groß Elbe
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Wir haben eben von den Kindergartenkindern vorgespielt bekommen, wie der Weg für das Entstehen von Brot abläuft. Wir wissen zwar alle, das alles noch ein bisschen komplizierter ist und auch mit weniger Handarbeit verläuft, aber im Grunde bleibt der Weg des Brotes immer gleich: am Anfang steht ein Getreidekorn, meistens Weizen oder Roggen.

Ich möchte heute eine kleine Geschichte erzählen von einem Weizenkorn, das nicht zu Brot werden wollte. Dieses Weizenkorn trägt den Namen Corni. Corni war eigentlich schon seit seiner Entstehung ein ganz besonderes, oder besser gesagt ein sehr eigenwilliges Korn. Kaum als das Samenkorn aufgegangen war und langsam die ersten Ansätze einer Ähre zeigte und die Körner an den Ähren sich langsam in ihrer Welt, nämlich auf ihrem Acker umzuschauen begannen, da war das schon zu merken.

Der Getreidehalm, an dem Corni hing, der stand am Rande des Feldes und so hatten diese Körner das Glück auch mal etwas anderes zu sehen, als nur die Getreidehalme in der näheren Umgebung. Das hat Corni auch sehr gut gefallen. Corni .schaute sich gerne um und die Körner erzählten sich auch gegenseitig, was sie wieder besonderes gesehen haben. Sie deuteten auf die Vögel am Himmel, die munter durcheinander flogen, oder über die Wolken, die lustige Bilder am Himmel zeichneten, sie redeten über die Rehe, die durch die Felder liefen, über die Mäuse und Füchse, aber auch über die Trecker, die immer wieder einmal durchs Feld fuhren, um ein bisschen zu düngen oder auch um Schädlinge von den Ähren zu vertreiben. Dabei mussten die Körner dann oft sehr husten und sie bekamen auch Tränen in den Augen, aber viele Ähren wären sonst nicht so groß oder würden auch aufgefressen von den Schädlingen und dann bliebe nur wenig Getreide übrig für das Brot, das ja aus dem Getreide gebacken werden soll.

Ja und das war dann auch das besondere an Corni: Corni wollte nicht zu Brot verbacken werden. Das stand schon sehr früh fest. Nachdem Corni nämlich gefragt hatte, was denn aus den vielen Körnern einmal geschehen wird, da erzählte ein Korn: zuerst werden wir einmal abgemäht, da kommen dann die Mähdrescher und sammeln uns ein. Ich habe gehört, das soll eine sehr lustige Sache sein, wenn dann von dem Halm getrennt sind und mit den vielen anderen Körnern so durch den Wagen purzeln. Ja und dann kommen wir auf einen Gummiwagen. Da so einen wie da hinten. Und das Korn zeigte auf einen gerade vorbeifahrenden Gummiwagen. Ja und dann können wir endlich auch mal mit anderen Körner Zusammensein. Nicht nur immer mit den Körnern, die wir jeden Tag um uns haben. "Was denn, das soll mit uns allen passieren. Hier weg von dem schönen Acker, dann können wir ja gar nicht mehr nach den Vögeln, und den anderen Tieren sehen. Nein, das will ich nicht, ich komme nicht mit euch mit, ich bleibe hier. Ich möchte alleine leben und etwas erleben." Das sagte Corni mit ganz verkniffenen Augen und meinte es sehr ernst.

Von nun an wollte Corni auch nichts mehr von den anderen Körnern wissen. Er wollte nicht weg, er wollte auf dem Felde bleiben und für sich sein. Und dann überlegte er lange, was er denn nur tun könnte. Schon früh versuchte Corni aus dem Korn auszubrechen. Er reckte und er streckte sich, aber es wollte und wollte nicht gelingen. Und langsam wurde er immer größer und größer und auch immer trockener. Immer häufiger kam der Bauer schon ans Feld, um zu prüfen, ob das Korn schon gut sei. Eines Tages kam der Bauer dann auch dorthin, wo Corni stand. Prall und groß und trocken waren sie alle, aber Corni konnte sich darüber gar nicht freuen. Er wollte doch nicht weg von hier, er wollte doch alleine auf seinem Acker bleiben. Und als der Bauer genau Cornis Ähre griff, da konnte er sich befreien und hüpfte schnell auf den Boden. "Ach, endlich, geschafft. Ha, nun könnt ihr da oben sehen, wo ihr bleibt. Ich bleibe jedenfalls hier!" Mit breitem Lachen schaute er hinauf. Die anderen Körner hörten das wohl, aber obwohl sich Corni die ganze Zeit so komisch benommen hatte, wollten sie ihn dennoch nicht vermissen. Eigentlich sollte auch er mitkommen und zu leckerem Brot werden. Aber nun ging das nicht mehr.

Corni aber war glücklich endlich befreit zu sein aus seiner Ähre. Nun schaute er sich erst mal auf der Erde um, schaut hierhin und dorthin, aber schon bald musste er feststellen, so schön war das hier unten gar nicht. Dunkel war es geworden, dunkel, dreckig und sehr einsam. Aber das wollte Corni schon ertragen. Zumindest zunächst, denn nun war er schutzlos allem ausgeliefert. Die Mäuse nämlich, die von oben so schön lustig aussahen, die kamen oft vorbei laut schmatzend. Sie hatten andere Körner im Mund, die sie auf dem Boden gefunden hatten. Corni musste aufpassen, dass er nicht auch von so einer Maus entdeckt wurde. Da kam auch schon wieder eine. Nun aber schnell beiseite. Da ist ein kleiner Stein. Und Corni rollte schnell beiseite und es gelang ihm gerade noch dahinter .zu verschwinden, als die Maus mit knurrendem Magen an ihm vorbeikam. "Oh das war aber knapp, beinahe wäre ich für immer ganz allein im Magen der Maus verschwunden," murmelte er vor sich hin. Jetzt wurde es Corni doch ein wenig mulmig zumute, er merkte, allein musste man sehr auf- passen und es konnte viel passieren. Oben bei den anderen da war es sicherer und die anderen haben einen gewarnt und auch festgehalten, wenn es einmal sehr windig war. Aber jetzt ist keiner mehr da, oder besser gesagt: sie sind alle sehr weit weg. Und als Corni so darüber nachdachte, hörte er plötzlich einen großen Lärm im Hintergrund. Der Mähdrescher kam und er kam immer näher. Nichts anderes hörte Corni neben dem Stein mehr als dieses laute Brummen und Dröhnen. Was konnte er nur machen, wenn er nun von den Rädern überfahren wird?

Dann wird er in den Erdboden gedrückt und kann gar nichts mehr sehen. Corni hatte große Angst davor und niemand war da, den man anfassen und festhalten kann. Und dann dieser ohrenbetäubende Lärm, der immer näher kommt. Corni macht die Augen zu und denkt an gar nichts mehr. Vor Angst und Schrecken fällt er richtig in Ohnmacht. Als er wieder aufgewacht ist, war alles ruhig, links und rechts sah er nur ein bisschen Stroh liegen. "Wo bin ich, was ist los hier?" fragte er. Aber er bekam keine Antwort. Um ihn herum blieb alles still. "Bin ich denn hier ganz allein im Acker, ist denn gar keiner da?" Corni rief laut, immer lauter, aber er hörte keine Antwort. "Wo seid ihr alle, Freunde?" rief er dann halblaut, ja halb rief er und halb weinte er, denn nun hatte er begriffen, das niemand, aber auch wirklich niemand da war, mit dem er etwas tun könnte. Und dabei sehnte er sich so nach der Zeit auf den Halmen zurück, er sehnte sich nach seinen Freunden den anderen Körnern. Die waren nun beieinander, sind lustig durch die Maschinen gewirbelt, haben auf dem Weg zur Mühle vieles gesehen, haben gelacht und auf dem Wagen gespielt. Und er erinnerte sich, wie sehr sich die anderen Körner freuten, zu Brot zu werden, um den Menschen einen Freude zu bereiten. Ganz in diese Gedanken versunken saß Corni hinter seinem Stein. Traurig, weinend und mit großer Sehnsucht nach seinen Freunden. Doch plötzlich regte sich etwas neben ihm. Sofort wischte er die Tränen aus den Augen und schaute, was da wohl kommt. Und dann sah er es immer näher kommen. Es war ein großer Vogel, der nach etwas essbarem im Acker suchte. Wieder war für Corni große Gefahr, aber wie sollte er sich schützen. Der Stein war nicht groß genug und wo sollte er nur hin. Aber als er noch so überlegte, da war es schon um ihn geschehen. Der Vogel hat ihn aufgepickt und trug ihn im Schnabel. Und dann flog der Vogel auf und davon. Corni wurde richtig schwindelig dabei, er mochte gar nicht runter sehen, das war ihm viel zu hoch.

Aber gerade deshalb konnte er in seiner Angst ein wenig nachdenken. "Wenn der Vogel jetzt fliegt, dann kann er nicht fressen. Wenn er nicht fressen kann, dann bleibe ich am Leben. Aber wie kann ich den Vogel weiter am Fressen hindern?" überlegte er. Er versuchte mit aller Kraft den Schnabel auseinanderzu- drücken. Aber dazu reichten seine kleinen Kräfte nicht aus. Er musste etwas anderes über- legen. Da fiel ihm etwas ganz gemeines ein. Er biss mit aller Kraft, die er hatte, in die Zunge des Vogels. "Aua!" rief der mit lauter Stimme und riss dabei den Schnabel weit auf. Und nun konnte Corni aus dem Schnabel hüpfen.

Nur - dann flog er natürlich erst mal weiter durch die Luft - allerdings auf schnellstem Wege nach unten. Rumms! da war er auch schon unten angelangt. "Hei, was war das denn," hörte er plötzlich um sich Stimmen, "du tust mir ja weh, kannst du nicht mal aufpassen!" "Du spinnst wohl, uns hier so zu erschrecken, wer bist du überhaupt?" Corni wusste zuerst gar nicht wie ihm geschah, aber eines wusste er, er konnte diese Schimpfereien gut verstehen. Er konnte verstehen, was die um ihn herum sagen. Und noch etwas benommen schlug er seine Augen auf: da sah er sie alle, alle Körner seines Ackers, ja sogar die Kollegen von seiner' Ähre lagen' da hinten und schauten zu ihm herüber. Und da erkannte die anderen ebenfalls, wer da auf den Gummiwagen gefallen war: ihr alter Corni, der doch nicht mit wollte, der lieber alleine auf dem Acker bleiben wollte. Es gab herzliche Umarmungen und Freudenrufe und natürlich viel zu erzählen. Und dann am, Abend als er alle seine Abenteuer losgeworden war, da hatte er richtig ein paar Tränen in den Augen, aber diesmal Freudentränen. Denn so allein zu bleiben, das war nicht schön. Nun wollte er doch lieber mit den anderen mitfahren, als so viel Angst noch einmal zu erleben. Bei euch ist es schön sagte er, und mit euch will ich nun gutes Brot werden, damit die vielen Kinder und Erwachsenen etwas Schönes zu Essen haben und nicht Hunger leiden müssen.

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